Ein Wort von mir
Wenn Sie als Kuratorin, Direktor oder Sammlerin hier lesen: herzlich willkommen, und danke für Ihre Zeit. Was folgt, ist die Kurzfassung von fünfundzwanzig Jahren — geschrieben, um Ihnen einen Nachmittag zu ersparen. Wenn daraus ein Gespräch entsteht, hat es genau seinen Zweck erfüllt. Mein Postfach ist offen: hello@norbertbanhalmi.com
Die Kurzfassung
Disziplin, menschliche Präsenz und Intimität gehören für mich zu derselben fotografischen Arbeit. Von der Ordnung meiner militärischen Jahre führte der Weg zu immer persönlicheren Fragen nach Erinnerung, Körper und menschlicher Nähe. Die Bilder fragen, wie Identität sich verändert, wie Erinnerung getragen wird und wie sich ein Körper zeigen lässt, ohne ihn zum Objekt zu machen. Drei Projekte tragen das Ganze: Meilensteine ’56, Erwachen und Die Welt der Frau. Die Arbeit bewegt sich auf der Achse New York–Wien–Budapest und wird international auch auf Saatchi Art gezeigt.
1 · Von der Disziplin zu menschlichen Geschichten
Was ich beim Militär gelernt habe
2006 gründete ich das erste professionelle Fotostudio der Ungarischen Streitkräfte. Dort lernte ich, schnell, genau und verantwortungsvoll zu arbeiten. Heute nutze ich dieselbe Aufmerksamkeit für kleine, ehrliche Gesten. Oft geht es um schwierige Themen wie Krankheit, Alter oder Trauma. Die Technik bleibt dabei im Hintergrund, damit der Mensch im Mittelpunkt des Bildes stehen kann.
New York: die Schule des Sehens
In New York hat sich mein Auge endgültig gefunden. Dort habe ich gelernt zu sehen, nicht nur zu schauen. Aus diesen Stadtjahren stammt auch Sunrise Ride, das beim internationalen Wettbewerb der Europäischen Umweltagentur den Publikumspreis gewann — und die Fähigkeit, einen dokumentarischen Moment auf Fine-Art-Niveau zu heben.
Weniger Retusche, mehr Wirklichkeit
Seit Echte Frauen (30+1) im Jahr 2014 verzichte ich konsequent auf starke Retusche. Falten, Hautstruktur und Asymmetrie sind keine Fehler, sondern Teil eines Lebens. Ich arbeite mit natürlichem oder weichem Licht und lasse genug Zeit, damit die Pose verschwindet.
2 · Historisches Trauma: Meilensteine ’56
Zum 60. Jahrestag mit dem Ungarischen Haus in New York entstanden — das stärkste Beispiel dafür, dass ich eher als Historiker denn als Künstler gearbeitet habe. Monate an Feldarbeit im Staat New York, in Connecticut und New Jersey; Oral-History-Interviews; und ein Diptychon-Konzept, in dem Überlebende gemeinsam mit jenem Gegenstand fotografiert werden, den sie aus Ungarn mitnahmen. Klassisches Porträt, Rembrandt-Licht, direkte Blicke, keine Opferposen. Das Projekt löste auch eine echte geschichtswissenschaftliche Debatte über die Kategorien Held und Täter aus — was den kuratorischen Wert nur erhöht: Ich habe aufgezeichnet, nicht geurteilt, und genau diese rohe Erinnerung braucht echte Traumaverarbeitung.
Meilensteine ’56 →
3 · Der Körper als Schlachtfeld und Heiligtum: Erwachen
Gemeinsam mit der Onkologie der Semmelweis-Universität (Dr. Magdolna Dank) und dem Psychiater Dr. Imre Csernus brachte das Projekt Fotografie in einen medizinischen Kontext. Statt Schockbildern stand die Genesung im Mittelpunkt. Mehrere Teilnehmerinnen beschrieben das Fotografieren als wichtigen Teil der Verarbeitung ihrer Erfahrungen. In den Schwarzweißporträts bleiben Narben als Teil des Körpers und seiner Geschichte sichtbar; Gedichte von Vincent & Vincent begleiten die Bilder mit einer eigenen Stimme. Die Serie tourte durch Budapest, Noszvaj und Veszprém und hängt dauerhaft im Onkologischen Zentrum des Csolnoky-Ferenc-Krankenhauses.
Erwachen — Der neue Anfang →
4 · Die Stationen weiblicher Existenz: Die Welt der Frau
Neun natürliche Übergänge, gemeinsam mit dem Schriftsteller Miklós Vámos, stellen die enge Erwartung infrage, Frauen müssten jung, dünn und makellos erscheinen. Das Projekt wurde online weitergeführt, wo Frauen ihre eigenen Geschichten einsenden konnten; meine Rolle wurde dadurch stärker die eines Gastgebers. Ich arbeitete mit einer kleinen Kamera statt mit einer einschüchternden DSLR, damit Blickkontakt und Gespräch natürlich blieben. Das Finale im Stefánia-Palais wurde durch eine Gesprächsrunde mit Coaches und Modellen ergänzt.
Die Welt der Frau →
5 · Technologie als künstlerisches Werkzeug
- OM-SYSTEM-Botschafter (2018–) — Die Japan Times berichtete, wie ich die Markenkommunikation in Ungarn erneuert habe — über Nutzererfahrung, Bildung und Gemeinschaft statt über Spezifikationen.
- Erste ungarische fotografische NFT-Kollektion — Mit The Men's Dream brachte ich als Erster die ungarische Fototradition auf die Blockchain, mit Debüt und Wohltätigkeitsauktion in einem Club in Manhattan.
- Rege Galerie, Tihany (2020–) — Mitbegründer und Kurator eines mit Samsung entwickelten digitalen Ausstellungsraums, in dem die Arbeiten im Umfeld der Benediktinerabtei von Tihany auf Bildschirmen gezeigt wurden.
- Sunrise Ride NFT — Das EEA-prämierte Bild verband später digitales Eigentum mit einem physischen Kunstwerk und einer eigens komponierten Musik.
6 · Auf dem Weg zur sakralen Intimität: Touch
Die Projekte Touch Wien und Touch München von 2024 betrachten Berührung als aufmerksame menschliche Verbindung und nicht über die Objektivierung des Körpers. Die frühere Schwarzweiß-Sprache weicht Goldtönen und Kerzenlicht. Die Serien fragen danach, wie Berührung wieder als sicher, aufmerksam und menschlich erlebt werden kann.
Touch Wien & Touch München →
7 · Warum Sie das interessieren könnte
- Glaubwürdiger künstlerischer Weg — Der Weg vom militärischen Hintergrund zur humanistischen Fotografie ist keine biografische Dekoration; er zeigt sich in Themen, Methode und Disziplin der Arbeit.
- Menschlicher und gesellschaftlicher Kontext — Die Arbeiten beschäftigen sich direkt mit Emigration, Krankheit, weiblichen Lebensgeschichten und historischem Gedächtnis.
- Eine klare Bildsprache — Zurückhaltende Komposition und die wiederkehrende Schwarzweiß-Palette verbinden die unterschiedlichen Werkphasen.
- Technologisches Experimentieren — Digitale Ausstellungs- und NFT-Projekte erproben neue Kontexte für Präsentation und Sammlung von Fotografie.
Ausstellungskonzepte, die ich gern mit Ihnen bauen würde
- Narben und Erinnerung — Meilensteine ’56 und Erwachen parallel — die visuelle Analogie historischer und biologischer Wunden.
- Die heilige Berührung — Touch Wien mit Ich wurde Vater — das Spektrum der Intimität, vom Elterlichen zum Spirituellen.
- Gesichter der Resilienz — Eine Überblicksausstellung von den Flüchtlingen von ’56 bis zu den Überlebenden des Krebses.
- EUFÓRIA — Die Anatomie der Gegenwart (2027) — Capas Erbe für unser Jahrzehnt neu geschrieben: zwanzig uninszenierte Porträts an der Grenze von Freude, Freiheit, Schmerz und Erlösung.
„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug.“ — Robert Capa
Vollständiger Bericht auf banhalmi.art
Ausstellungen in chronologischer Reihenfolge